Mit 320 Teilnehmer verzeichnete die bereits zum fünften Mal am bundesweiten Tag der Organspende veranstaltete gut fünfeinhalbstündige Radtour für Organspende eine Rekordbeteiligung. 62 Kilometer legten die Teilnehmer dabei vom Start am Gießener Uniklinikum bis nach Bad Nauheim und zurück zur Abschlussveranstaltung am Berliner Platz in Gießen zurück. Gemeinsam aufs Fahrrad gestiegen und während der vom Universitätsklinikum Gießen-Marburg (UKGM) gemeinsam mit Selbsthilfegruppen und Transplantationsorganisationen organisierten Tour einte alle Teilnehmer die Intention, mit ihrer Fahrt über das Thema Organspende zu informieren. Drei Motorradpolizisten sowie zwei Polizeifahrzeuge begleiteten gemeinsam mit Tour Guides von SoVelo „Dein Rad“ die Rundfahrt. Nicht nur aufgrund seiner großen Teilnehmerzahl, sondern auch durch die von vielen Teilnehmern getragenen orange-blauen Trikots in den Farben des Organspende Ausweises erregte die Tour große Aufmerksamkeit. Die Vorsitzende des Vereins zur Förderung der Organspende Hessen und Transplantationsbeauftragte des UKGM, Fachärztin Sabine Moos, startete gemeinsam mit dem mehrfach ausgezeichneten Para-Radsportler Hans-Peter Durst die Tour an der blauen Kugel vor dem Uniklinikum. Die Tour führte von Gießen über Leihgestern, Lang-Göns, Pohl-Göns, Butzbach und Ober-Mörlen nach Bad Nauheim. An der Trinkkuranlange im Kurpark Bad Nauheim waren Informationsstände aufgebaut, und Bürgermeister Klaus Kress (parteilos) begrüßte die Teilnehmer. Die Rückfahrt zum Berliner Platz erfolgte dann über Ober-Mörlen, Rockenberg, Steinfurth, Holzheim und Grüningen.
UKGM-Pressesprecher Frank Steibli hatte die Moderation bei der Abschlussveranstaltung vor dem Gießener Rathaus übernommen und verwies darauf, dass bereits zum zweiten Mal der Verein zur Förderung der Organspende in Kooperation mit dem Bundesverband der Organtransplantierten, dem Verein Kinderherzen heilen- Eltern herzkranker Kinder, dem Verein PKD/ Familiäre Zystennieren und dem Förderverein Organspende Marburg die Radtour ausgerichtet haben.
Auf dem Berliner Platz hatten dann die Teilnehmer der Radtour aber auch alle anderen Mitbürger Gelegenheit, sich an Infoständen über die Thematik Organspende und Gewebespende zu informieren. Der Appell der Radtour ist, sich mit der Thematik Organspende zu beschäftigen und eine selbstbestimmte Entscheidung – dafür- oder dagegen zu treffen. Diese Entscheidung liegt in mehr als 60 Prozent der Fälle wenn wir mit Angehörigen auf der Intensivstation über eine mögliche Organspende nicht vor. Habe ich selber keine Entscheidung dazu getroffen, belaste ich meine Angehörigen in einer ohnehin schon sehr schwierigen Situation mit dieser Frage zusätzlich!
Neben Oberbürgermeister Frank Thilo Becher, der bereits zum 5 mal sich zur Thematik positionierte und ebenfalls an die Mitbürger appellierte eine selbstbestimmte Entscheidung zu treffen, sprach auch Frederick Bouffier, MdB für den Kreis Gießen, zu den Teilnehmern und Besuchern. Bouffier führte bei seiner Ansprache aus, dass sich trotz zahlreicher Bemühungen die Situation bei der Organspende in Deutschland kaum verbessert habe- im Vergleich zu den Jahren 2010 gäbe es sogar einen deutlichen Rückgang. Nach wie vor warten rund 8500 Menschen auf ein Spenderorgan. Seit der Einführung des Transplantationsgesetzes im Jahr 1997 habe sich an den grundlegenden Zahlen wenig geändert. Deshalb sprach er sich erneut für die Einführung der Widerspruchslösung aus. Diese bedeute keinen Zwang zur Organspende, sondern fordere lediglich eine bewusste Entscheidung. Im Anschluß sprach Klaus Zinnecker, Vertreter der Selbsthilfegruppen und selbst seit mehr als 42 Jahren nierentransplantiert. Er forderte die Politik auf, sich weiter für die Thematik einzusetzen, zeigte sich im Hinblick auf seine mehr als 40-jährige Tätigkeit in der Selbsthilfezeig jedoch auch nachdenklich. A Im europäischen Vergleich liege Deutschland bei der Zahl der Organspenden weiterhin im hinteren Bereich und gehöre zu den wenigen Ländern ohne Widerspruchslösung. Als Teilnehmer der World Transplant Games, wies Klaus Zinnecker auf dieses Sportfest hin, welches im August 2025 in Dresden mit rund 2000 Sportlerinnen und Sportlern aus 51 Nationen stattfand. Die World Transplant Games waren ein eindrucksvolles Fest für die Organspende und das Leben. So, wie auch die Radtour für Organspende. Solche Veranstaltungen machen sichtbar, wie viele Jahre den Patienten durch eine Organspende geschenkt worden sind! Zum Abschluß versammelten sich alle Teilnehmer der Radtour die selbst transplantiert wurden vor der Bühne sind und hielten dabei eine Tafel mit der Anzahl der Jahre in die Höhe, die ihnen durch eine Organspende bislang geschenkt wurde. Dabei war die kleine Helena, die vor genau einem Jahr im UKGM ein neues Herz erhalten hat, ebenso wie Klaus Zinnecker, der bereits seit 42 Jahren transplantiert ist. Insgesamt standen 14 transplantierte Patienten auf der Bühne, denen 179 Lebensjahre geschenkt wurden- Gemeinsam machten sie so eindrucksvoll sichtbar, was durch Organspende möglich ist. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von der Band „Green Yellow Lipstick“ aus Herborn, die die Teilnehmer begeisterte.
















