Finissage der Ausstellung: Weil jeder Atemzug ein Wunder ist
Es war ein bewegender Moment, als die beiden nach einer Organtransplantation mit neuem Herz lebenden Wolfgang Kothe (64) und Nicole Ried (53) ihre Dankesbriefe verlasen. Sie waren zu der Finissage der Ausstellung »Weil jeder Atemzug ein Wunder ist« im Gießener Uniklinikum gekommen. Im Rahmen dieser Ausstellung wurden Fotos „gestrickter Organe“der Wiener Ärztin und Anthropologin Katharina Sabernig zusammen mit Dankesbriefen ausgestellt.
Die Ausstellung war seit März 2024 an einem zentralen Punkt im UKGM- der Magistrale zu sehen und hatte bei Besuchern, Patienten und Mitarbeitern für viel Anregung gesorgt. der gestrickte«, die nun ihren Abschluss fand. Herr Dr. PD Karakizlis, Leiter des Schwerpunkts Nierentransplantation, ging in seiner Begrüßung der Besucher der Finissage aus medizinischer Sicht auf das Thema ein. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland insgesamt 3701 Organe transplantiert. »Hinter jedem einzelnen steht ein Mensch – und ein medizinisches Wunder.« Ob Herz, Leber, Niere oder Lunge: Jedes transplantierte Organ istein kostbares Geschenk, das Leben rettet und verlängert. Die Ausstellung habe das Unsichtbare sichtbar gemacht: »die medizinische Realität von Organtransplantationen, die ethischen Fragen rund um Organspende und die emotionale Tiefe der Dankbarkeit gegenüber anonymen Spendern.« So sei dazu beigetragen worden, ein gesellschaftlich oft verdrängtes Thema in die Öffentlichkeit zu tragen – jenseits von Statistiken – mit Empathie, künstlerischer Kraft und einem feinen Gespür für das Wesentliche. »Deshalb würdigen wir heute nicht nur den Abschluss dieser Ausstellung, sondern auch die Gespräche, Denkanstöße und Perspektiven, die sie eröffnet hat.« Denn wo sich Kunst und Medizin begegnen, entstehe Bewusstsein – »und vielleicht auch die Bereitschaft, Leben zu schenken«.
Seinen Dankesbrief hatte Wolfgang Kothe aus Hohenahr mit »Endlich wieder bergauf!« überschrieben. Er schildert darin, wie es für ihn nach der ersten Diagnose gesundheitlich bergab ging. Doch dank eines 2014 erhaltenen Spenderherzens und der erfolgreichen Herztransplantation könne er heute wieder zügig Berge hinaufgehen. »Auch mehr als zehn Jahre nach der Transplantation fühlt sich mein Herz fantastisch gut an. Es schlägt kraftvoll und ich genieße die Schönheit der Natur.« Sein lebenslanger Dank gelte dem Spender und dessen Angehörigen, die diese Entscheidung unterstützt haben. Auch Nicole Ried aus Amöneburg hat ein Spenderherz erhalten. Oft frage sie sich, was ihr Lebensretter wohl für ein Mensch gewesen ist. »Ich stelle ihn mir als jemanden vor, dem andere und deren Schicksal nicht egal waren. Ich möchte ihn auf keinen Fall enttäuschen und sehe es als meinen Auftrag an, dass wir beide zusammen alt werden!«.
Um die Ausstellung auch nach dem Abhängen der Bilder und Dankesbriefe weiter wirken zu lassen, hat der Verein zur Förderung der Organspende eine 40seitige Broschüre mit den Bildern der Ausstellung und den Dankesbriefen erstellt die im Rahmen der Finissage vorgestellt und an die Besucher weitergegeben wurde. Erhältlich ist sie bei Sabine Moos, Ärztin und Transplantantionsbeauftragte des UKGM. Ziel ist es, dass die Ausstellung nicht im Keller verschwindet, sondern auch in anderen Kliniken weiterwirken kann und in emotionaler und nahbarer Weise auf deas Thema Organspende und die Möglichkeit durch Organspende Leben zu retten aufmerksam macht.



